Samstag, 08 Dezember 2012 17:55

„Elektroauto-Fahren hat einen großen Netzwerk-Effekt“

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Der Gründer und Geschäftsführer von The New Motion, Ritsaart van Montfrans Der Gründer und Geschäftsführer von The New Motion, Ritsaart van Montfrans The New Motion

Interview mit Ritsaart van Montfrans, Gründer und Geschäftsführer des Ladestations-Herstellers The New Motion

Seit Ende dieses Jahres ist der niederländische Anbieter von Ladestationen für Elektrofahrzeuge The New Motion auch auf dem deutschen sowie dem belgischen Markt präsent. The New Motion entwickelt und vertreibt intelligente Ladelösungen für Elektrofahrzeuge und unterhält ein eigenes Ladenetztwerk. Erklärtes Ziel ist es, ein „fantastisches Ladenetz“ zu schaffen, um die Etablierung und schnellere Verbreitung der Elektromobilität zu forcieren. Wir sprachen mit dem Gründer und Geschäftsführer des innovativen Unternehmens, Ritsaart van Montfrans.

 

eMobilitätOnline: Sie haben The New Motion 2009 in den Niederlanden gegründet und sind dort mittlerweile führender Infrastruktur- und Dienstleistungsanbieter in der Elektromobilitätsbranche. Wie sind Sie persönlich zur Elektromobilität gekommen und wie kamen Sie auf die Idee der Firmengründung?

 

Ritsaart van Montfrans: Um das Jahr 2007 kam ich mit Elektromobilitäts-Initiativen in Kontakt, darunter einige sehr kleine Umrüster, aber auch schon ein paar größere Unternehmen. Ich war sofort begeistert von den Möglichkeiten, die sich da auftaten. Wir brauchen dringend einen großen Wechsel unserer Fortbewegungs- und Transportgewohnheiten, weg von den konventionellen Kraftstoffen. Und Elektrofahrzeuge ermöglichen diesen Umschwung zu nachhaltigen Transportmöglichkeiten. Ende 2008 begann ich damit, die ersten Pläne zu erstellen, ganz klassisch mit einem weißen Blatt Papier.

 

Was gab für Sie den Ausschlag, nach Berlin zu gehen und The New Motion Germany zu gründen? Welche Leistungen bieten Sie konrekt an?

 

Der Markt für Elektromobilität in den Niederlanden ist schon relativ weit entwickelt, dem deutschen Markt wohl gute zwei Jahre voraus. Zudem arbeiteten wir bereits intensiv mit den deutschen Automobilherstellern zusammen, daher war es für uns ein logischer Schritt, unsere Aktivitäten auch nach Deutschland auszuweiten. Außerdem ist der Anteil erneuerbarer Energie in Deutschland recht hoch, daher wird es in hier auch schon eher notwendig sein, diese Energie in den Autobatterien zwischenzuspeichern.

The New Motion ist Betreiber von Ladestationen sowie von Ladenetzwerken. Wir helfen den Menschen den Umstieg zu Elektrofahrzeugen praktisch zu gestalten, indem wir Ladestationen und Auflade-Services bereitstellen und indem wir Ladenetzwerke genau dort installieren, wo die Menschen sie wirklich benötigen. Wir bieten sowohl den Fahrern von Elektrofahrzeugen wie auch den Ladestations-Standorten den gesamten Service den sie benötigen, um Elektrofahrzeuge einwandfrei und sorglos nutzen zu können.

Unsere Angebot beinhaltet intelligente Ladestationen, deren professionelle Installation von unserem Netzwerk an Technikern sichergestellt wird, sowie Lade-Abonnements und -Karten und einen Kundenservice für Fahrer von Elektrofahrzeugen. Zudem bieten wir einige weitere wertvolle Serviceleistungen an wie z.B. eine benutzerfreundliche App, um die nächstgelegene Ladestation zu finden, ein Online-Portal, welches Einblicke in den Ladevorgang bietet und die Möglichkeit, die Zahlung der Energiekosten abzuwickeln. Für die nahe Zukunft entwickeln wir gerade alle relevanten Funktionen, die sicherstellen werden, dass die Batterie im Stromnetz als Speichermedium für erneuerbare Energie fungieren kann.

 

Welche Rolle spielt die E-Mobilität in Holland? Gibt es Unterscheide zur Situation in Deutschland?

 

Obwohl Deutschland in einigen Nachhaltigkeitsbereichen wie bspw. der Solarenergie oder dem Recyclingsystem viel weiter ist, ist die Elektromobilität in den Niederlanden schon weiter entwickelt. Einer der Gründe dafür ist möglicherweise in den kürzeren Distanzen zu sehen, weshalb die Reichweite von Elektroautos eine geringere Bedeutung haben könnte. Aus finanzieller Sicht ist festzustellen, dass es in den Niederlanden lohnenswerte Subventionen und steuerliche Vergünstigungen gibt, die Autofahrern einen zusätzlichen Anreiz bieten, zu Elektroautos zu wechseln.

Elektrisch zu fahren hat einen großen Netzwerkeffekt: Je mehr Menschen Elektrofahrzeuge nutzen, desto attraktiver wird die Elektromobilität für andere. Und das Anwachsen der Emobilisten führt zu einer Zunahme an Ladestationen. Vor einigen Jahren haben die Ladestationen-Betreiber in den Niederlanden eine Kompatibilitäts-Vereinbarung getroffen, die zur Folge hat, dass man mit einer Ladekarte Zugang zu allen öffentlichen Ladestationen hat. Dies führte zu deutlichen Vereinfachungen für die Fahrer von Elektrofahrzeugen. Eine so weit entwickelte Kompatibilität existiert in Deutschland bis dato noch nicht, was die Elektroautofahrer dazu zwingt, verschiedene Lade-Abonnements von unterschiedlichen Ladestationen-Betreibern abzuschließen. Aber es gibt in Deutschland derzeit einige Initiativen, die zu einer Kompatibilität arbeiten, das würde einen großen Schritt für die Elektromobilität in diesem Land bedeuten.

 

Ladestation von The New Motion mit Elektroauto

 

The New Motion vertreibt Ladestationen für Elektrofahrzeuge – entwickeln und produzieren Sie selbst oder arbeiten Sie mit anderen Unternehmen aus der Branche zusammen?

 

Wir machen beides. Wir arbeiten in unserem Netzwerk mit vielen Zulieferen für Ladestationen zusammen, bspw. mit Siemens, so lange deren Produkte mit unserer Service-Plattform kompatibel sind. Und vor einiger Zeit haben wir auch unsere eigene Ladestation entwickelt. Das war notwendig geworden, da der Zulieferermarkt nicht genau das bereitgestellt hat, was wir für unsere Stationen benötigen. Unsere Entwicklung 'lolo smart' ist eine intelligente Ladestation, die mit dem entsprechenden modernen Stromzähler im Haus oder im Büro sowie mit einem zentralen Server verbunden ist. Zudem überzeugt Sie auch durch ihr eigenständiges Design und den attraktiven Preis. Ausgangspunkt unserer Überlegungen war, welche Services die Fahrer von Elektrofahrzeugen wirklich benötigen.

 

Was ist das Besondere an den Ladestationen von The New Motion, worin unterscheiden Sie sich von anderen Herstellern? Sind Ihre Kunden, die solche Ladestationen kaufen Privatpersonen oder hauptsächlich Unternehmen?

 

Die Ladestationen unseres Netzwerkes sind sogenannte intelligente Ladestationen, dies bedeutet, dass Sie über Online-Verbindungen verfügen. Dies ermöglicht es, online Informationen über den Ladevorgang zu erhalten. Wir betreiben ein Online-Nutzerportal namens 'love to load', über das man einsehen kann, wann, wo und wie viel an der jeweiligen Ladestation oder über den Ladepass geladen wurde.

Darüber hinaus können wir diese Informationen zur Abrechnung der Energiekosten nutzen. Stellen Sie sich vor, Sie fahren ein geleastes oder ein Firmen-Elektroauto, Sie haben eine eigene Ladestation mit Verbindung zu Ihrem eigenen Stromnetz am Haus und Ihr Arbeitgeber übernimmt die Stromkosten für Ihre Fahrten. Wir bieten unseren Nutzern nun den Service an, diese Energiekosten-Abrechnungen zu ordnen: Wir senden eine Rechnung an den Arbeitgeber mit genau den Stromkosten, die für das Laden des Elektroautos angefallen sind und erstatten den Fahrern diese Energiekosten wieder.

Zu Ihrer Frage, wer unsere Kunden sind: Sowohl Privatpersonen wie auch Unternehmen. Privatkunden profitieren von der Möglichkeit, den Ladevorgang über unser Nutzerportal 'love to load' zu verfolgen. Firmenwagen-Nutzer freuen sich über die Abrechnungsmöglichkeiten mit ihren Arbeitgebern. Und Unternehmen schließlich ziehen ihren Vorteil aus der Tatsache, dass wir den Zugang zu den Ladestationen komplett entsprechend der Kundenwünsche gestalten können: Einige Unternehmen wünschen sich ausschließlich einen Zugang für ihre eigenen Mitarbeiter, andere dagegen möchten ihre Ladestationen auch für externe Nutzer zugänglich machen. Und wenn gewünscht, können wir Gesamtrechnungen oder Einzelabrechnungen erstellen und diese von den Energiekosten abziehen. Nicht zuletzt bieten wir einen 24/7-Kundenservice an für den Fall, dass Probleme auftreten, so dass die Unternehmen sich damit nicht auseinander setzen müssen!

 

Können die Ladessäulen von allen Elektroautos angefahren werden oder bedarf es eines speziellen Adapters, einer Ladekarte o.ä.?

 

Unsere Ladestationen sind kompatibel mit dem Ladekabel Typ 2/Modus 3, das in den meisten europäischen Ländern der Standard für das Laden ist. Es sind keine speziellen Adapter notwendig. Dieses Kabel ist entweder schon als Zubehör im Auto vorhanden oder kann seperat beim Händler gekauft werden. Um den Ladevorgang zu starten, benötigt man eine Ladekarte. Dies kann entweder unsere 'love to load'-Karte sein oder auch die Karte eines anderen Anbieters, mit dem wir Kompatibilitäts-Vereinbarungen getroffen haben.

 

The New Motion hat die Kampagne "Ich bin ein e-Berliner" initiiert. Handelt es sich dabei um eine Promotion-Aktion zum Start Ihres Unternehmens in Deutschland oder werden Sie in den kommenden Jahren ernsthaft das Ziel verfolgen, 25.000 "e-Berliner" auf die Straße zu bringen?

 

Das e-Berliner-Projekt ist eine Initiative, um die vielen Organisationen und Personen zusammen zu bringen, die nötig sind, um u.a. die Einführung des Elektroauto-Carsharings zu beschleunigen - eine Sache, an die wir wirklich glauben! Elektroauto-Carsharing ist ein hochkomplexes Produkt, da erst das Zusammenwirken vieler beteiligter Parteien es erfolgreich macht: Geeignete Örtlichkeiten zum Parken und Teilen der Autos, Automobilhersteller, die die Elektroautos zur Verfügung stellen müssen, Anbieter von Ladestationen, Anbieter von erneuerbaren Energien für das Betreiben der Ladestationen, Dienstleister, die die Ladekarte liefern und nicht zu vergessen die Fahrer der Elektroautos. Das Ziel, 25.000 Berliner zur Nutzung von E-Fahrzeugen zu bewegen, ist also keineswegs etwas, was The New Motion alleine bewerkstelligen will und kann, dafür bedarf es einer gemeinsamen Anstrengung!

Mit diesem Projekt erhoffen wir uns, mehr Aufmerksamkeit für die Elektromobilität zu gewinnen und mehr Menschen zu ermuntern, Elektrofahrzeuge auszuprobieren. Wir sind kürzlich gestartet und haben schon einige Mitstreiter gefunden, bspw. den Bundesverband eMobilität (BEM) sowie weitere Unternehmen und Automobilhersteller.

 

Eine persönliche Frage zum Schluß: Fahren Sie selbst ein Elektroauto?

 

Selbstverständlich! Ich bin einen Nissan Leaf, einen Ampera und einen Tesla Roadster gefahren. Aktuell fahre ich einen iMiev, das Gemeinschaftsauto unseres Büros. Aber ich habe auch begonnen, die Carsharing-Angebote der Städte wahrzunehmen, in Berlin bspw. ist es besser, ein Auto bei Bedarf zu nutzen und kein eigenes zu besitzen. Für längere Fahrten greife ich manchmal leider noch auf konventionelle Autos zurück.

 

Vielen Dank für das Interview!

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