Donnerstag, 31 Januar 2013 09:49

„Es herrscht immer noch eine tolle Aufbruchsstimmung“

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Nils Stentenbach, einer der beiden Geschäftsführer von Voltavision Nils Stentenbach, einer der beiden Geschäftsführer von Voltavision Voltavision GmbH

Interview mit Nils Stentenbach, Geschäftsführer der Voltavision GmbH

 

Der Elektromobilität gehört die Zukunft – eine essentielle Rolle für die Alltagstauglichkeit und die Etablierung elektrischer Antriebe spielen sichere und zuverlässige Energiespeicher, wie Lithium-Ionen-Batterien. Das junge Unternehmen Voltavision betreibt ein hochmodernes Prüflabor für elektrische Energiespeicher und Leistungselektronik für zahlreiche Anwendungen, insbesondere auch zur Funktionsabsicherung von Hochvoltbatterien für Elektrofahrzeuge. Damit wird gewährleistet, dass die neuen Technologien in der Elektromobilität eine sichere und zuverlässige Anwendung finden.

 

eMobilitätOnline: Herr Stentenbach, wann und wie sind Sie persönlich mit dem Thema Elektromobilität in Berührung gekommen? Wie kam es zur Gründung von Voltavision?

 

Nils Stentenbach: Als ich 2005 mein Studium an der Hochschule Bochum begann, habe ich mich früh und sehr intensiv in dem Forschungsprojekt Solarcar engagiert und war von der Idee, elektrisch und sogar energieautark zu fahren, sofort begeistert. In diesem Studentenprojekt wird alle zwei Jahre ein straßentaugliches, solarberiebenes Elektroauto entwickelt und gebaut, um damit an internationalen Rennen teilzunehmen. Ich war über zwei Generationen verantwortlich für die Lithium-Ionen Batterien der Fahrzeuge. Mein Bruder Julian, mit dem ich 2011 Voltavision gegründet habe, war an der Entwicklung der Motoren beteiligt und über ein Jahr lang Teamleiter des Projekts.

Nach meinem Studium habe ich eine Zeit lang in verschiedenen Forschungsprojekten und in der Industrie gearbeitet. Dort habe ich schnell gemerkt, dass unser Know-How, über die Entwicklung und die Prüfung von Komponenten für den elektrifizierten Antriebsstrang, aktuell stark nachgefragt wird. Von dieser Erkenntnis bis zur Gründung von Voltavision sind nur wenige Monate vergangen.

 

Voltavision betreibt ein modernes Prüflabor für Energiespeicher und Leistungselektronik - worin liegt die Kernkompetenz Ihres Unternehmens? Welche Dienstleistungen stehen im Zentrum Ihrer Tätigkeit?

 

Bereits während der Entwicklung der Solarcar Batterien habe ich mich intensiv damit beschäftigt, die Anforderungen, die wir an unsere Batterien haben, so früh wie möglich im Labor validieren zu können. So haben wir z.B. umfangreiche Zellbenchmarks und Messungen für die Parametrierung des Batteriesteuergerätes an vielen verschiedenen Zellen durchgeführt. Mit der fertigen Batterie haben wir dann ganze Streckenteile der Rennen auf einem Prüfstand nachgefahren, um herauszufinden, wie sich die Batterie später im Fahrzeug verhalten wird. Vor sehr ähnlichen Aufgaben stehen auch unsere heutigen Kunden und so bieten wir z.B. Lebensdauer- und Performanceprüfungen für einzelne Zellen bis hin zu großen Batteriesystemen an und unterstützten damit nicht nur die großen OEM, sondern auch kleine und mittelständische Unternehmen, die ihre Validierungsaufgaben nicht im eigenen Hause durchführen können.

 

Hier werden die Energiespeicher getestet: Ein Blick in das moderne Prüflabor von Voltavision - Bild: Voltavision GmbH

 

Bestehen Kooperationen zu anderen Unternehmen bzw. wissenschaftlichen Einrichtungen?

 

Wir haben uns eine Nische zwischen der klassischen Umweltsimulation und den Sicherheits- und Abuse-Tests gesucht und uns auf Lebensdauer- und Performanceprüfungen spezialisiert, die Know-How intensiv sind und für die unsere flexiblen und umfangreich ausgestatteten Prüfstände gebraucht werden. Da unsere Kunden für die Absicherung ihrer Produkte allerdings die gesamte Palette an Prüfungen benötigen, haben wir uns für die anderen Bereiche Partner gesucht, mit denen wir umfangreiche Anfragen bedienen können. Spannend sind hier auch z.B. Prüfungen, bei denen neben elektrischer und klimatischer Belastung auch mechanische Schwingungen überlagert werden können. Im wissenschaftlichen Bereich arbeiten wir mit dem Institut für Elektromobilität der Hochschule Bochum zusammen und bearbeiten dort Forschungsprojekte und betreuen Master- und Bachelorarbeiten.

 

Voltavision ist ein junges Unternehmen, auch was die Mitarbeiter betrifft. Wie wirkt sich das Ihrer Meinung nach auf den beruflichen Alltag aus?

 

Ob alt oder jung, bei neuen Technologien beginnen alle bei null. Ich sehe gerade die Elektromobilität und die Energiewende als besondere Chance für junge Menschen und junge Unternehmen mit neuen Ansätzen und Ideen erfolgreich zu sein. Der Altersdurchschnitt unseres Teams ist knapp unter 30 Jahre, das äußert sich in einer großen Flexibilität und Neugierde und in einer überdurchschnittlichen Motivation. Es herrscht immer noch eine tolle Aufbruchsstimmung und wir gehen jeden Morgen gerne zur Arbeit. Im letzten Jahr haben wir gemeinsam das neue Labor aufgebaut und die ersten größeren Kundenprojekte erfolgreich abgeschlossen. Das macht viel Spaß und ermutigt das Team. Ich wünsche mir, dass wir diese Stimmung noch lange aufrechterhalten können.

 

Welche konkreten Ziele verfolgen Sie mit Voltavision? Wie schätzen Sie den zukünftigen Bedarf an Prüfleistungen im Batterie- und Fahrzeugkomponentenbereich ein?

 

Unser Ziel ist es, die Entwicklung und die schnelle Marktreife von Hybrid- und Elektrofahrzeugen zu unterstützen. Dazu haben wir ein sehr umfangreich ausgestattetes Prüflabor und ein hochspezialisiertes Team für unsere Kunden aufgebaut. Bei dem Umfang und der Art der durchzuführenden Prüfungen herrscht noch generelle Unsicherheit, weil die Technologie recht jung ist und es erst wenig Erfahrung damit gibt. In den nächsten Jahren wird sich sicherlich durch Standardisierung und Normung einiges vereinfachen und reduzieren, jedoch glaube ich, dass das Volumen stark zunehmen wird. Der Anteil an Hybrid- und Elektrofahrzeugen auf unseren Straßen ist heute noch verschwindend gering, dennoch ist die Nachfrage für Prüfdienstleistungen schon jetzt enorm hoch. Ich glaube, dass wir gerade erst an der Oberfläche kratzen und dass der Bedarf mit dem Markthochlauf enorm steigen wird.

 

In der öffentlichen Debatte melden sich vermehrt Stimmen, die den großen Durchbruch elektrisch betriebener Fahrzeuge in den nächsten Jahren anzweifeln. Wie sehen Sie die Entwicklung der Elektromobilität?

 

Elektromobilität hin oder her, als Ingenieur bin ich davon überzeugt, dass elektrische Energie der Energieträger der Zukunft ist und dass die Elektrifizierung von sehr vielen Anwendungen die technisch sinnvollere Lösung ist. Am Ende ist es eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Nur die wenigsten Menschen kaufen ein Auto der Umwelt zuliebe. Elektrisch betriebene Fahrzeuge werden dann ihren großen Durchbruch haben, wenn sie neben all ihren Vorteilen auch noch bezahlbar sind. Solange allerdings ein Liter Mineralwasser an der Tankstelle noch teurer ist als ein Liter Benzin, wird es wahrscheinlich noch ein paar Jahre dauern.

 

Eine persönliche Frage am Schluß: Fahren Sie selbst ein Elektroauto?

 

Als Kind habe ich ferngesteuerte Elektroautos gefahren, während des Studiums habe ich mit Elektrofahrzeugen zwei Kontinente durchquert und heute tragen wir mit Voltavision dazu bei, dass sich elektrische Mobilität auch im alltäglichen Individualverkehr durchsetzt. Sobald unsere Arbeit Früchte trägt, steige ich auf einen Plug-In Hybrid um.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

Weitere Informationen zu Voltavision finden Sie auf der Webseite des Unternehmens.

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