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Dienstag, 19 September 2017 08:41

VDE-Studie: Das Betreiben von Stromtankstellen lohnt sich häufig nicht

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VDE-Studie: Das Betreiben von Stromtankstellen lohnt sich häufig nicht VDE

Anlässlich der IAA in Frankfurt hat der Technologieverband VDE die Studie „Ad-hoc-Laden und spontanes Bezahlen: Wie sich punktuelles Aufladen umsetzen lässt“ veröffentlicht. Die Untersuchung nimmt die Rentabilität von Bezahlsystemen an Stromtankstellen unter die Lupe und will aufzeigen, wie Betreiber mit Anreizen gelockt werden können – denn noch lohne sich der Ladesäulen-Betrieb vielfach nicht.

Das Theme berge viel Sprengstoff, so Studienautor Dr. Wolfgang Klebsch, der dies an einem eindrücklichen Beispiel erläutert: „Während das Betanken eines Autos mit Verbrennungsmotor an einer Zapfsäule selten mehr als eine Minute dauert und der Bezahlbetrag meist über 20 Euro liegt, sind die Verhältnisse an einer Ladesäule für Elektroautos deutlich ungünstiger.“ So würde bspw. das Aufladen an einem 11‐kW Ladepunkt, je nach Ladezustand der Batterie, ein bis zwei Stunden dauern und der Bezahlbetrag zwischen fünf bis maximal zehn Euro liegen. „Die zu erwartenden Margen sind schlichtweg zu gering. Unter den Voraussetzungen ist keiner bereit, eine Ladeinfrastruktur aufzubauen und zu betreiben“, meint Klebsch.

Online-Bezahlsysteme sind besonders unrentabel

Die Studie fokussiert sowohl auf Geschäftsmodelle für die klassische Ladeinfrastruktur (LIS)-Betreiber (Stromversorger, Stadtwerke, Roaming‐Provider), für LIS‐Quereinsteiger (Autobahnraststätten, Tankstellen, Parkhäuser) und für Händler und Dienstleister von Mehrwertdiensten (Supermärkte, Baumärkte, Hotels, Restaurants) und führt geeignete Bezahlsysteme für das Ad-hoc-Laden auf. 

Ein Ergebnis sei, dass die Kosten, die auf der Betreiberseite anfallen, sehr breit gestreut seien, so Wolfgang Klebsch, der zudem davon abrät, pauschal auf gängige Online‐Bezahlsysteme zu setzen. Durch die geringen Bezahlbeträge und Margen erwiesen sich die einschlägigen Online‐Bezahlsysteme via Smartphone oder Kreditkarten als besonders teuer. Eine kostengünstige Alternative für Betreiber sei bspw. die klassische Prepaid‐Bezahlfunktion GiroGo auf EC‐Karten, da hier Gebühren von nur 1 bis 4 Cent pro Transaktion anfielen. „Bei dieser Lösung muss der Nutzer allerdings „mitspielen“. Von ihm wird erwartet, dass er seine Geldkarte regelmäßig mit Bargeld auflädt“, sagt Klebsch. 

Die im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie erstellte VDE-Studie ist kostenfrei im VDE-Shop erhältlich.

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