Freitag, 17 März 2017 23:25

China intensiviert Ausbau von Batterietauschstationen

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Der Batterietausch, wie hier bei einem Taxi des Typs Zotye M300, stellt in China vielerorts eine Alternative zur Stromtankstelle dar. Der Batterietausch, wie hier bei einem Taxi des Typs Zotye M300, stellt in China vielerorts eine Alternative zur Stromtankstelle dar. By Gavin Anderson/CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons.

Einer der Hauptkritikpunkte bei der Nutzung von Elektroautos ist die lange Ladedauer der Batterie. Während man ein herkömmliches Dieselfahrzeug innerhalb weniger Augenblicke volltanken kann, dauert es sogar an einer Schnellladestation etwa 20 Minuten, bis die Batterie vollständig geladen ist. In China setzt man daher schon lange auf Batterietauschstationen, an denen ein Wechsel der Akkus innerhalb von drei bis fünf Minuten möglich ist. Insbesondere die Beijing Automotive Industry Holding (BAIC), einer der größten Fahrzeughersteller in Ostasien, zeigt sich in diesem Markt äußerst aktiv und will alleine im Jahr 2017 landesweit bis zu 400 neue dieser Stationen errichten.

Hintergrund für die verstärkten Anstrengungen im Bereich E-Mobilität ist auch ein Maßnahmenkatalog zur Behebung von Umweltproblemen für Peking und umliegende Städte. Dieses Dokument der politischen Führung sieht unter anderem umfassende Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität in der Smog geplagten Region vor, die seit vielen Jahren unter zu hohem Verkehrsaufkommen, zu schneller Verstädterung oder ihrer hohen Konzentration an Fabrikanlagen zu leiden hat. Als einen ersten wichtigen Schritt plant Peking bis Ende September die Elektrifizierung seiner gesamten Taxiflotte. Da viele Betreiber nun verstärkt über die Ladeproblematik nachdenken, will BAIC in Zusammenarbeit mit Sinopec, einem Erdgas- und Mineralölunternehmen, alleine in der chinesischen Hauptstadt 200 neue Batterietauschstationen errichten. Aktuell verfügt die Hauptstadt Chinas lediglich über 50 Standorte, an denen der flexible Wechsel der Akkus erfolgen kann. Um die Bedarfe der E-Autonutzer optimal abdecken zu können, sollen zudem viele der Tauschstationen mit Schnellladesäulen ausgestattet werden.

Die Initiativen zur kurzfristigen Förderung der E-Mobilität sind damit aber noch nicht abgeschlossen: Die Stadt Peking will bis Jahresende die Anzahl ihrer Vermietfahrzeuge mit elektrischem Antrieb auf 2000 Fahrzeuge ausweiten. Zudem entstehen in Zusammenarbeit mit BAIC bis Sommer 2017 eine Vielzahl von Mobilitätsstationen an wichtigen Plätzen der Stadt, welche ein Carsharing-Angebot mit der Vermietung elektrifizierter Fahrzeuge kombinieren sollen.

Die BAIC Gruppe, zu der auch Beiqi Foton Motor gehört, unterhält unter anderem Joint Ventures mit Daimler-Benz und Hyundai. Im Segment der E-Autos hat das chinesische Unternehmen die Fahrzeugserien EV, EU, EX, EC sowie EH herausgebracht. Die kommenden Modelle sollen bereits eine Reichweite von über 400 Kilometern aufweisen. Ob dann noch ein Batterietausch Sinn macht, bleibt abzuwarten.

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2 Kommentare

  • Kommentar-Link Dienstag, 21 März 2017 09:30 gepostet von Hartmut Baden

    Genau richtig!
    1. Mit Wechselakkus wird die ganze E-Mobility praxisgerecht.
    2. Die Akkugröße im Fahrzeug kann kleiner ausfallen und damit das Fahrzeuggewicht. Das kommt dem Verbrauch und der Reichweite zugute.
    3. Die ausgebauten Akkus stehen in den Ladestationen stationär für Netzdienstleistungen zur Verfügung und lösen damit das immer wieder beklagte Speicherproblem.
    4. Der Nutzer zahlt nur für die tatsächliche Nutzung, wenn er tatsächlich die größere Reichweite benötigt.
    5. Die Akkus unterliegen einer ständigen Überwachung, schwächelnde Zellen können jederzeit ausgetauscht werden. So wird das Risiko einer Akkupanne unterwegs deutlich verringert.

    Leider hat die unselige Verbindung aus Automobil-Lobby und Politik diese Option von Beginn an verhindert. Die Angst vor einem schnellen Markterfolg war zu groß, ebenso wie Beharrungskräfte auf den bisherigen Geschäftsmodellen. Die Quittung haben wir nun im Diesel-Gate ebenso wie im technologischen Rückstand.

  • Kommentar-Link Sonntag, 19 März 2017 18:56 gepostet von Klaus Dehn

    Ich habe das Folgende vor kurzem zum Thema "Wieviel Akku braucht das Auto" im Forum von GoingElectric.de geschrieben.
    Da es hier auch zum Thema passt habe ich den Text hier jetzt auch eingestellt.

    In meiner perfekten E-Autowelt würden ca. 40kWh reichen.
    Da kann ich dann im Winter 200km schaffen ohne zu frieren, im Sommer habe ich dann 300km. Und auf der Autobahn kann ich auch mal Strom geben wenn ich es eilig habe und muss nicht hinter LKW herschleichen. Damit kann ich 95% aller Fahrten abdecken.
    Wie man jetzt bei der neuen Zoe sieht, hat sich die Batteriekapazität fast verdoppelt bei gleicher Baugröße und Gewicht. Wenn die Entwicklung so weiter geht, könnte in naher Zukunft die Batterie bei gleicher Kapazität(40kWh)nochmals schrumpfen bei weniger Gewicht.

    Damit hätte man dann Platz geschaffen im Unterboden für einen Wechselakku. Dieser Wechselakku würde auch ca. 40kWh haben. Diesen Wechselakku brauche ich aber nur für die restlichen 5% meiner Fahrten, also für Langstreckenfahrten. Da ich keine Lust habe an den sog. Schnellladesäulen zu stehen bzw. darauf zu warten bis eine frei wird, fahre ich einfach durch die nächste Wechselstation und lasse mir einen vollen Akku unter den Wagen kleben. Der reine Wechselvorgang dauert bekanntlich ca. eine Minute. Man rollt quasi im Schleichgang durch die Anlage und der Akku wird dabei getauscht. Kein Aussteigen, kein Kabelgewirr, kein im Regen stehen.

    Es gibt nur eine Standardgröße für den Akku, weil dieser ja ausreichend ist für ca. 250 bis 300km Autobahn. Damit kann ich dann bei 3 oder 4 mal Wechseln von Nord nach Süd durch Deutschland düsen und kann auf die Wartesäulen sprich Schnellladesäulen, die auch nur bis zur 80%-Marke schnell laden, verzichten.

    Diese Wechselakku sind nur in der Wechselstation aufladbar und im Auto wird nur daraus Energie abgeben. Bremsenergie wird nur in den interen Akku gespeichert. Das bedeutet während der Fahrt mit einem Wechselakku wird mein interner Akku aufgeladen.
    Kurz vorm Reiseziel gebe ich den Akku wieder ab und düse mit dem Strom aus dem internen Akku weiter.

    Die Wechselstationen werden von den großen Energieunternehmen betrieben. Die Lizenz dafür bekommen Sie aber nur in Gegenleistung auf den Verzicht weiterhin Kohlestrom zu produzieren. Die Wechselstation ist auch gleichzeitig für die von allen geforderte Regelleistung geeignet um das Stromnetz stabil zu halten. Die Wechselstationen können entlang der Autobahnen, an den Raststätten oder auch auf den Autohöfen stehen, die dann auch von den Bundesstraßen aus erreichbar wären, falls man den Akku für größere Überlandtouren braucht.

    Wie oben erwähnt, fährt man durch die Wechselstation ohne zu halten. Das langsame Durchfahren übernimmt das autonome Auto um die Geschwindigkeit für den Wechselvorgang konstant zu halten.
    Die Wechselstationen sind so gebaut, dass es zwei Einfahrten für Pkw, einen für Transporter, einen für Gespanne sprich Auto mit Wohnwagen oder Anhänger und Campingfahrzeuge gibt.
    Durch die Länge der Halle sind gleichzeitig mehrere Fahrzeuge pro Spur in der Lage den Akku zu tauschen.

    Mit den Jahren wird sich bei gleicher Baugröße der Wechselakkus die Speicherkapazität vergrößern, was den Kunden freuen dürfte.
    Die Autobauer haben nicht mehr den Druck sich gegenseitig bei der Speichergröße des interen Akkus zu übertrumpfen. Was nützt einem denn der größte Akku, der 1000km Reichweite schafft, wenn ich diesen nicht schnell voll kriege, weil ich an der Ladesäule evtl. warten muss bis ein anderer seinen Wagen vollgeladen hat oder der erst nach seiner einstündigen Mittagspause nach seinem Wagen schaut. Da ist der Streit doch vorprogrammiert.

    Der Wechselakku braucht nur eine Bauhöhe von ca. 10 cm.
    Da die Autos ja immer größer werden, wäre es sogar möglich bei einem SUV oder Transporter gleich zwei Akkus übereinander von unten einzusetzen.

    Und da bekanntlich für jeden der beruflich mit dem Auto unterwegs ist und Zeit gleich Geld bedeutet, können wir uns die Warteladerei ja für die Freizeit aufsparen. Sicherlich wird es auch noch Autos mit größeren Akkus geben die dann den Wechselakku nicht brauchen. Der "Normale Fahrer" wird aber mit der günstigen internen Akkuvariante mit AC-Ladetechnik und dem Wechselakku für alle Situationen bestens gerüstet sein.

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