Montag, 15 Februar 2016 11:36

„Ein synergetisches Ladenetzwerk, von dem alle profitieren!“

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Thomas Daiber, Geschäftsführer der Hubject GmbH Thomas Daiber, Geschäftsführer der Hubject GmbH Hubject GmbH

Interview mit Thomas Daiber, Geschäftsführer der Hubject GmbH

Eine flächendeckende öffentliche Ladeinfrastruktur mit barrierefreiem Zugang für Elektroauto-Fahrer gilt als einer der Schlüssel zum Erfolg der Elektromobilität. Noch ist dieses Ziel nicht erreicht, aber es wird mit Hochdruck daran gearbeitet. Mit einem innovativen Ansatz ist die Hubject GmbH angetreten, die Ladeinfrastruktur für Elektroautos anbieterübergreifend zu vernetzen – und ist dabei überaus erfolgreich.

Grund genug, dem Hubject-Geschäftsführer Thomas Daiber ein paar Fragen nach dem Geschäftsmodell, dem aktuellen Stand und den Zukunftsplänen seines Unternehmens zu stellen. Der Wirtschaftsingenieur ist seit 2008 in unterschiedlichen Positionen im Themenfeld nachhaltige Mobilität und seit 2013 für die Hubject GmbH tätig, wo er im vergangenen Jahr den Vorsitz übernommen hat.

Die Hubject-Lösungen werden in Kürze auch auf der Energiewirtschaftsmesse E-World, die vom 16. - 18. Februar in Essen stattfindet, präsentiert, wo das Unternehmen mit einem eigenen Stand vertreten sein wird.

1)    Herr Daiber, Sie sind Geschäftsführer der Hubject GmbH, einem Joint Venture von Unternehmen aus der Automobil-, Energie- und Technologiebranche, das die Vereinheitlichung der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge vorantreiben möchte. Worin genau besteht Ihr Geschäftsmodell?

 

Wir haben mit dem Hubject-System eine offene Serviceplattform für die Elektromobilität geschaffen. Über unsere Plattform können die Ladestationen aller angeschlossenen Betreiber auch von Kunden dritter Anbieter im Markt gefunden und genutzt werden. Die Plattform fungiert dabei als Adaptersystem, welches alle notwendigen statischen und dynamischen Informationen, wie z.B. Stecker-, Geo- und Belegungsdaten, in Echtzeit an alle teilnehmenden Partner weiterleitet und letztendlich dem Elektroautofahrer zur Verfügung stellt. Ladestationsbetreiber und Fahrstromanbieter wie etwa BMW, RWE, PlugSurfing, The New Motion oder der Tankkartenanbieter DKV nutzen unser Serviceangebot, um das anbieterübergreifende Laden an unterschiedlichsten Ladeinfrastrukturen in ganz Europa zu ermöglichen. Innerhalb der letzten drei Jahre ist so ein synergetisches Ladenetzwerk entstanden, von dem alle Akteure in der Elektromobilität profitieren: das intercharge-Netzwerk. Dieses bringt Elektroautofahrern den entscheidenden Vorteil, dass sie statt einer Vielzahl an Ladekarten und Apps unterschiedlicher Anbieter nur noch ein Zugangsmedium ihres präferierten Anbieters benötigen, um an allen Ladestationen in unserem intercharge-Netzwerk laden zu können.

2)    Warum sollten sich Unternehmen für die Hubject-Lösungen entscheiden? Was machen Sie anders als andere Anbieter?

 

Obwohl sich unsere Lösungen ausschließlich an Unternehmen richten, konzentrieren wir uns bei der Weiterentwicklung unserer Angebote auf die Bedürfnisse der Elektroautofahrer. Für den Nutzer spielt es vordergründig keine Rolle, wer eine Ladestation betreibt oder mit Strom beliefert. Elektroautofahrer wollen ein lückenloses Netz an Ladestationen, welches einfach und komfortabel nutzbar ist. Der Zugriff muss daher für den Nutzer anbieterübergreifend und technologieneutral über alle gängigen Zugangsmedien funktionieren, egal ob über eine Smartphone-App, Ladekarten, NFC oder die Plug&Charge-Technologie. Wir sorgen jedoch auch dafür, dass selbst Elektroautofahrer ohne Vertrag nicht benachteiligt werden und die öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur in gleichem Umfang nutzen können. Mit unserer Direktbezahllösung intercharge direct kann spontan an der Ladestation gezahlt werden, ohne sich vorher mit einem Fahrstromvertrag an einen Anbieter binden zu müssen. Der Elektroautofahrer benötigt lediglich ein Smartphone.

Diese Services spiegeln das Leistungsversprechen von Hubject wider: wir entwickeln nachhaltige und skalierbare Lösungen für kundenfreundliches Laden von Elektrofahrzeugen. Partner, die einmalig unsere Schnittstelle implementieren, erhalten automatisch uneingeschränkten Zugang zur Ladeinfrastruktur aller intercharge-Partner aus ganz Europa. Unsere Plattform bietet Raum für Unternehmen unterschiedlichster Branchen und Größen: vom Automobilhersteller, Energieversorger, Flottenbetreiber bis hin zu Start-Ups. Den heterogenen Flickenteppich an Ladeinfrastrukturen haben wir in kürzester Zeit in ein homogenes Ladenetzwerk verwandelt, welches sich kontinuierlich vergrößert. Dieser offene und vollautomatisierte Plattformansatz ist bislang einmalig im Elektromobilitätsmarkt und fördert die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle.

3)    Hubject wurde 2012 gegründet. Was haben Sie seitdem erreicht, wo steht Hubject 2016?

 

Wir haben ein Netzwerk aus über 200 starken Partnern aus ganz Europa geschaffen, alle vereint durch ein gemeinsames Ziel: das Laden von Elektrofahrzeugen ein Stück einfacher zu gestalten. Wir freuen uns, dass die Zahl der intercharge-Partner stetig wächst und unsere Vision „charge wherever you like“ so in ganz Europa gelebt wird. Wir haben aber erst dann einen guten Job gemacht, wenn an jeder öffentlichen Ladestation in Europa das intercharge-Symbol, unser Zeichen für kundenfreundliches Laden, zu sehen ist. Daran arbeitet das Hubject-Team mit Hochdruck.

4)    Welche konkreten Ziele verfolgen Sie für die kommenden Jahre?

 

In einigen Ländern haben wir bereits einen Großteil der öffentlich verfügbaren Ladeinfrastruktur über intercharge vernetzt. Hier gilt es, auch die letzten weißen Flecken auf der Landkarte zu identifizieren. In den nächsten Wochen und Monaten werden wir außerdem mit neuen Pilotpartnern in weiteren europäischen Märkten an den Start gehen. Natürlich werden wir auch in diesem Jahr wieder technische Produktinnovationen vorstellen, die das Laden für den Elektroautofahrer noch einfacher machen und den Einstieg in die Elektromobilität für Unternehmen attraktiv gestalten. Zudem wird die Unterstützung unserer Partner bei der Entwicklung kundenspezifischer Lösungsangebote zukünftig immer mehr in den Fokus von Hubject rücken.

5)    Hubject ist europaweit aktiv. In welchen Ländern sind Sie vertreten und welche Länder wollen Sie in naher Zukunft angehen?

 

Bereits in 14 europäischen Ländern konnten wir Partnerunternehmen über intercharge vernetzen. Dazu zählen neben Deutschland, Österreich und der Schweiz unter anderem alle nordischen Staaten sowie Belgien, die Niederlande, Luxemburg, Frankreich, Spanien und Italien. Immer interessanter wird Osteuropa, dort sind aktuell auch einige Unternehmen mit spannenden neuen Geschäftsmodellen aktiv. Natürlich beobachten wir auch, wie sich die Elektromobilität in Asien und den USA weiterentwickelt.

6)    Welche Unterschiede bestehen in den Ladeinfrastrukturen der europäischen Länder aus Ihrer Perspektive? Welche Voraussetzungen, aber auch Entwicklungen, wären aus Ihrer Sicht für Deutschland wünschenswert?

 

Neben dem Aufbau heterogener Ladeinfrastruktursysteme und Zugangslogiken sind es unterschiedliche regulatorische Anforderungen an den Aufbau und Betrieb von Ladestationen in Europa. Die europäischen Ladeinfrastrukturen sind zudem unterschiedlich stark fragmentiert. Während sich in Deutschland etwa 200 Ladestationsbetreiber den Markt teilen, sind es beispielsweise in Norwegen nur ein gutes Dutzend, in Irland finden wir sogar eine nahezu monopolistische Marktstruktur vor.

Empfehlenswert für Deutschland wäre ein gesteuerter Aufbau von Ladeinfrastruktur anhand eines nationalen Masterplans, wie beispielsweise das avisierte „10.000 Säulen“-Programm zur Errichtung einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur. Wir sehen den bürokratischen Prozess zur Errichtung von Ladestationen hierzulande kritisch. Hier sind uns unsere Nachbarn in den Niederlanden bereits einen Schritt voraus. Weiterhin würden wir uns mehr Mut und Pragmatismus bei der Entwicklung kommerzieller Serviceangebote im Elektromobilitätsbereich wünschen, statt in weiteren Forschungsprojekten Lösungen zu erproben, die eigentlich schon lange marktreif sind. Trotz alldem entdecken aktuell immer mehr Unternehmen aus dem Ausland den deutschen Elektromobilitätsmarkt für sich. Dadurch steigt der Wettbewerbsdruck, sowohl seitens der Fahrzeughersteller als auch im Bereich der Ladeinfrastruktur, was wir als positiv bewerten.

7)    Im Zusammenhang mit der Ladeinfrastruktur fällt häufig der Begriff "eRoaming". Was ist darunter genau zu verstehen und warum ist es notwendig?

 

eRoaming ist ein Marktmodell der Elektromobilität, welches die technische und vertragliche Interaktion zwischen Ladestationsbetreiber und Fahrstromanbieter beschreibt. Es ermöglicht die vertragsbasierte Nutzung von Ladestationen als betreiberübergreifenden Service für Fahrer von Elektrofahrzeugen. Über eine standardisierte technische Schnittstelle und ein einheitliches Vertragsrahmenwerk kann ein Fahrstromanbieter mit dem eRoaming-Modell auf eine Vielzahl an Ladestationsbetreibern zugreifen, statt mit jedem einzelnen Betreiber bilaterale Nutzungsverträge zu vereinbaren und proprietäre technische Systembrücken zu entwickeln. Der Marktzugang steht in diesem Modell allen potentiellen Marktteilnehmern frei. eRoaming zeichnet sich somit durch eine hohe Transaktionskosteneffizienz und Marktoffenheit aus. Für Hubject ist eRoaming der Grundbestandteil unserer Unternehmens-DNA.

8)    Elektromobilität ist ein bestimmendes Thema, noch finden sich jedoch nur wenige Käufer für Elektroautos. Was ist Ihre persönliche Einschätzung: Erhöht eine gut ausgebaute, barrierefreie Ladeinfrastruktur die Attraktivität von Elektroautos? Oder müssen zunächst Kaufanreize gesetzt werden und die Ladeinfrastruktur folgt automatisch auf die zunehmende Verbreitung von Elektroautos?

 

Die Hauptbarrieren bei der Kaufentscheidung sind sicherlich der hohe Preis und die aktuelle Reichweite der Elektrofahrzeuge. Trotz einer nicht flächendeckenden Ladeinfrastruktur hat sich etwa in Norwegen und Kalifornien gezeigt, dass Kaufanreize ein wesentlicher Faktor sein können, um die Bevölkerung schneller an Elektromobilität heranzuführen. Wenn dann mit der dritten Generation von Elektrofahrzeugen noch Standardreichweiten von 300-500km möglich werden, könnte dies der entscheidende Impuls für das 1 Mio. EV Ziel der Bundesregierung sein. Gleichwohl erwartet der Kunde beim Kauf eines innovativen Premiumproduktes auch einen Premiumservice. Daher müssen wir als Branche gemeinsam daran arbeiten, dass wir im Rahmen des weiteren Ladeinfrastrukturausbaus alle Kinderkrankheiten schnellstmöglich beseitigen und auch die letzten Insellösungen in Deutschland vernetzen.

Herr Daiber, vielen Dank für das Gespräch!

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